Pierre Boffin

Paris am Abend

4.000,00 

 

Gouache
datiert: um 1987
Maße: 41 x 53,5 cm
vom Künstler signiert
Provenienz: aus Künstleratelier
Code: 101431
Preis differenzbesteuert nach § 25 a UStG

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Beschreibung

Pierre Boffin, vom Schriftsteller zum bildenden Künstler.

Boffin, von der Abstammung Franzose und Deutscher, schreibt noch während des Krieges die Erzählung „Der Schmied vom Ulex“, die 1943 erscheint.  Später im Krieg geriet er in Kriegsgefangenschaft in Attichy, Frankreich und übernahm in dieser Zeit die Redaktion  einer Kriegsgefangenen-Zeitschrift. Dort befreundet er sich auch mit dem Maler August Phillip Henneberger. Seine erste Ausstellung hat er 1947 im Salon des Independents in Paris. Boffin war nach Paris, Montmartre gezogen und studierte Malerei bei Antoni Clavé.

Die Arbeiten dieser frühen Jahre waren zum einen Teil gefällige, einer traditionellen Malweise ausgeführten Arbeiten von Pariser Impressionen. Diese Werke zeigen sein zeichnerisches, wie malerisches Können und sind sicherlich aufgrund der Verkaufbarkeit der Motive, also aus in dieser Zeit wirtschaftlichen Erwägungen des jungen und mittellosen Künstlers entstanden. Zeitgleich entwickelt Pierre Boffin jedoch seinen eigenen Malstil, in expressiver Farbigkeit ausgeführte Portraits, Akte und Gruppenszenen, sie folgen keinem ästhetischen Ideal sondern geben die innere Haltung, die Sinnlichkeit und auch Unvollkommenheit der dargestellten Motive wider.  Wenn man will, kann man in diesen Arbeiten Anklänge einer der Weggefährten Antoni Clavis, dem Maler Georges Rouault entdecken, genauso auch Züge der in den 6oer Jahren entstehenden Bewegung der Art brut. Dennoch sind das nur einzelne Elemente, die Malerei von Pierre Boffin ist dagegen ein eigenständiger Kosmos aus Farben, Formen und einem tiefen Blick auf die menschliche Seele. Die Werkperiode der 50er und 60er Jahre ist noch weitgehend ohne politische Motive, Stellungnahme. Das änder sich dann in den Arbeiten der 70er Jahre. Boffin arbeitet stärker mit grafischen Mitteln, dem Holzschnitt und dem Linolschnitt. 

Er setzt sich mit den Themen sozialer Ungerechtigkeit, politischer Kontrolle und seiner sattsamen Nachkriegsgesellschaft auseinander. Gleichzeitig greift er Themen der freien Liebe auf und setzt auch immer wieder seine Naturstudien und Landschaftsmalerei fort. In den 80er Jahren beginnt er mit Mischtechniken in seiner Ölmalerei mit Materialien wie Sand, Sägespänen und Leimmischungen reliefartige Oberflächen zu schaffen. Diese Werke strahlen eine ganz besondere, visuelle wie farbliche Präsenz aus. Zu Lebzeiten verriet er nie die Zusammensetzung dieser eindrucksvollen Gemälde. In den späten 80er Jahren bekommt Pierre Boffin noch einmal eine Traum erfüllt, er kann in der damaligen Sowjetunion ausstellen. Für diese Ausstellung stellt er eine Serie großformatiger Werke zusammen. In dieser Zeit entsteht auch ein Familienportrait der Familie des damaligen Bundespräsidenten Rau.

Die frühen Jahre Pierre Boffins waren geprägt von der französischen wie der deutschen Kultur. Der Großvater ein Steinmetz aus Verviers, Boffins Mutter  Französin, lernte ihren deutschen Mann, A. Winz, in Eupen, St. Vieth kennen. Dort war er beim Militär.Nach 7 Jahren fiel der Vater im Krieg. Die Mutter überwand den Schicksalsschlag nicht. Sie litt unter den Anfeindungen ihrer Umgebung, der harten Arbeit in den Spinnereien und erlag bald einer Lungenentzündung. 

So wuchs Hugo Winz, der sich später nach seinem mütterlichen Zweig, Pierre Boffin nennen sollte, in Waisenhäusern, bei hartherzigen Verwandten auf. Nach vielen entbehrlichen Jahren legte er seine Prüfung als Kaufmann ab. In dieser Zeit begann er das Schreiben. Er veröffentlichte Gedichte, Erzählungen in Zeitungen und Zeitschriften. Der Verlag Butzon und Berker veröffentlichte zwei Novellenbändchen des jungen Künstlers. Nach dem Krieg und der Gefangenschaft im französischen Lager Attichy wurde er von den Amerikanern als Herausgeber der Lagerzeitschrift berufen. Man bestätigte dem Künstler eine tief ausgeprägte, demokratische Einstellung. 

Schon in seiner Zeit während des Krieges in Paris, hatte Pierre Boffin Kontakte zu den Malern dieser Stadt gepflegt. Jetzt nach dem Krieg, widmet er sich mehr und mehr der Malerei, zahlreiche Zeichnungen und Landschaftsbilder entstehen. Boffin geht in den fünfziger Jahren zurück nach Paris. In einer Zeit, in der es für Deutsche eher unüblich war, solche Auslandaufenthalte zu machen. Doch Boffin liebt Paris und ist entschlossen, seiner malerischen Fähigkeiten auszubauen. Er nimmt in Paris am Montmartre die Studien der Malerei bei Antoni Clavé auf, seinem Lehrer und Förderer. Boffin bereist in der Folge zahlreiche Italien, Flandern, Frankreich und Spanien. In Altea trifft er Miró und arbeitet in seinem Atelier. Boffin begeistert mit seiner engagierten, unermüdlichen  und leidenschaftlichen Art.

Noch arbeitet er zum Broterwerb als selbständiger Kaufmann in Voerden und beginnt gleichzeitig seine Ausstellungskarriere, verkauft sein Bilder in In-und Ausland. 1974, am 18. Mai  schreibt der Figaro über Boffin: „…Dieser glühende Eindruck findet sich wieder in den anderen gezeigten Werken, so z.B. in „Carneval Romain“, das in schnellen, abgehackten Pinselstrichen, einem Wirbelwind gleich, in glitzernder Farbenpracht aufgetragen wurde. Und wiederum die Kraft dieses Stils stellt sich der Idealismus der anderen gezeigten Kompositionen gegenüber, bei denen das Gemüt des Künstlers eine tiefe, menschliche und natürliche Fähigkeit erkennen lässt.“So arbeitet Boffin in Voerden nicht mehr lange als selbständiger Kaufmann übergibt das Geschäft seinen Kindern und widmet sich ganz der Malerei, der er bis seinem Tode treu bleiben sollte.